Sagen aus der Welt

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Beitrag von Mori am Mi 20 Feb 2019, 15:17

Hier geht um es Sagen, aus eure Gegend.
Gebt bitte, wenn möglich, die Quell mit an.

Hier mal was aus meiner Gegend:

Der Spuk bei der Gedächtnishalle

In der Neujahrsnacht soll man zu der alten Französischen Kirche, dem jetzigen Berlischky Pavillon in Schwedt gehen. In einem Sack, welcher mit 99 Knoten zugesperrt sein muß, hat man einen lebenden Kater eingesperrt. Nun klopfe man an die Tür der Halle und laufe zwischen jedem Klopfen einmal um die Kirche. Alles muß ohne ein Wort geschehen. Nach dem dritten Klopfen tut sich die Tür auf und ein Geist erscheint. Er fragt, auf den Sack weisend: "Was hast du da" "Einen Hasen!" "Überlaß ihn mir, ich geb dir einen Taler für ihn!" Nun gibt der Geist den Taler und bekommt dafür den Sack. Jetzt gilt es schnell mit dem Geldstück in eine offene Haustür zu laufen, denn der Geist hat die 99 Knoten bald gelöst. Da springt ihm ein schwarzer Kater ins Gesicht. Wütend über den Betrug verfolgt der Geist den listigen Händler. Ereilt er ihn vor der Haustür, so dreht er ihm das Genick um. Gelingt ihm aber die Flucht, so hat der Händler einen Hecktaler.

Quelle: Gerhard Hänsel, Uckermärkische Sagen, KIRO-Verlag 1996



Die alte Linde vor der Kirche in Schwedt

Vor der Kirche in Schwedt steht eine Linde, die von der Tochter eines Schwedter Pfarrers gepflanzt worden ist. Sie wollte in den Ehestand treten, aber böse Zungen sagten ihr nach, daß sie die Brautkrone zu Unrecht trage. Vor dem Altar beschwor sie, daß sie eine reine Jungfrau sei. Zum Zeichen dessen, daß sie die Wahrheit gesagt, pflanzte sie vor der Kirche einen Lindenzweig und sagte: "So wahr, wie aus diesem Zweig ein stattlicher Baum sich entwickeln wird, so wahr ist meine Unschuld." Und sie selbst mit vielen Kindern, Enkeln und Urenkeln erfreute sich noch lange Zeit an dem Grünen und Blühen dieser Linde.

Quelle: Gerhard Hänsel, Uckermärkische Sagen, KIRO-Verlag 1996



Der Geist auf der Oder

Zwischen Weihnachten und Neujahr soll man nicht waschen. Wenn man die Wäsche in einem Kahn über die Oder fahren will, so taucht aus dem Wasser ein Geist drohend empor. Fährt der Betreffende zurück, so findet er zu Hause ein Geldstück als Belohnung. Versucht er die Fahrt trotzdem, so geht der Kahn unter und niemand kann ihn retten.

Quelle: Gerhard Hänsel, Uckermärkische Sagen, KIRO-Verlag 1996

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Beitrag von Nüpfead am Mi 20 Feb 2019, 15:39

Eine Sage aus meiner Ortschaft.

RITTER BIBERNELL

Einst lebte auf Schloss Stein bei Oberdrauburg ein mächtiger, aber seiner Grausamkeit und Ungerechtigkeit wegen verhasster Ritter mit Namen Bibernell. Alle Ortschaften zwischen Greifenburg und Oberdrauburg waren ihm untertan, und er übte sein Herrenrecht so streng, dass kein Untergebener Eigenbesitz haben durfte.

Ein Bauer in Stein grub einst auf seiner Wiese einen jungen Obstbaum aus und verpflanzte ihn in seinen Garten. Als Bibernell dies erfuhr, ließ er den Bauer alsogleich auf das Schloss bringen und fuhr ihn barsch an, warum er dies getan hatte. Der schlaue Bauer entgegnete: "Ich habe den Baum von einem schlechten auf einen besseren Grund verpflanzt. Mir gehört der Grund ohnedies nicht, da ich Euer Gnaden untertäniger Knecht bin." Auf diese Antwort nicht gefasst, lächelte der Ritter und klopfte mit sichtlicher Zufriedenheit dem schlauen Bauer gnädig auf die Achsel.

Sobald ein Untertan ins Schloss gehen musste, nahm er Abschied von den Seinen, als gelte es auf Nimmerwiedersehen, was auch häufig zutraf; denn der heute noch vom dunklen Wald sich abhebende Fallturm war oft Zeuge der ärgsten Grausamkeit, die der Ritter durch seine Diener verüben ließ.

Die einzige Tochter dieses Ritters, ein Vorbild weiblicher Tugend und Anmut, liebte einen Schreiber, der in Greifenburg bedienstet war. Bei dem harten Sinn des Ritters war an eine Vereinigung nicht zu denken, die Liebenden beschlossen daher zu fliehen und im benachbarten Walsch *) ihren Bund durch den Priester segnen zu lassen. Da das Mädchen nicht unbemerkt aus dem Schloss ent-kommen konnte, verfiel es auf folgende List: Allnächtlich, Schlag zwölf Uhr, zeigte sich dort ein Geist, an dessen Erscheinen die Wache bereits gewöhnt war. In Gestalt und Kleidung dieses Geistes gedachte nun das Burgfräulein zu entfliehen, verspätete sich jedoch, sodass das Gespenst früher kam und von dem sehnsüchtig harrenden Geliebten aufs Pferd gehoben und eiligst entführt wurde. Als der Schreiber zur Dellacher Brücke kam, fiel das Mondlicht hell auf die in seinen Armen ruhende Gestalt, und siehe: ein grässlicher Totenkopf grinste ihm entgegen! Da es eben Mitternacht schlug, löste sich die Gestalt in Nebel auf und verschwand. Der Schreiber ritt zurück, fand die harrende Geliebte und floh mit ihr ungehindert über die Grenze nach Italien und wurde dort mit dem Fräulein getraut.

Als Bibernell die Flucht seiner Tochter erfuhr, raste und tobte er, konnte von den zitternden Wachen jedoch keinen weiteren Bescheid erhalten, als dass in der vergangenen Nacht der Geist zweimal an ihnen vorübergewandelt sei. Durch rastloses Bemühen gelang es Ritter Bibernell endlich, dem Paar auf die Spur zu kommen; er erforschte ihren Aufenthalt. Nachdem dies gelungen, lud er das junge Paar zu sich und versprach ihnen volle Verzeihung. Ohne Argwohn kehrten sie heim.

Zu ihrer Ankunft - es war ein Martinitag - veranstaltete der Ritter ein prunkvolles Fest. Bei dieser Gelegenheit sollte der Burgkaplan den Bund nochmals einsegnen. Als beim darauf folgenden Mahl auf die Gesundheit des Brautpaares getrunken wurde und dieses seine Gläser leerte, sank die Braut mit dem Ruf "Ich bin vergiftet!" zu Boden, während der getäuschte Schwiegersohn ebenfalls die Wirkung des Giftes verspürte, und der Ritter hohnlachend die Verratenen betrachtete. Der Schreiber vermochte diese Schmach nicht zu ertragen, er raffte alle Kraft zusammen, fiel über den Ritter her und durchbohrte ihn mit dem Dolch.

Nach alter Bestimmung sollte der letzte Ritter von Stein in Luggau begraben werden. Es wurde daher Bibernells Leichnam in einem prächtigen Sarg unter zahlreicher Begleitung der nun frei aufatmenden Untertanen über den Gailberg geführt. Als der Zug auf der Höhe anlangte, hörte man ein lautes Kollern im Sarg. Man öffnete ihn und fand ihn leer. Dies ist die Sage vom letzten Ritter auf Stein.


*) Walsch: Italien

Quelle: Sagen und Geschichten aus dem Lesachtal, gesammelt und niedergeschrieben von den Schülern der 2. Klasse der Hauptschule Lesachtal Schuljahr 2000/2001, unter den Anleitungen von Hans Guggenberger und Edith Unterguggenberger
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Beitrag von Taurec am So 14 Jul 2019, 17:46

Eine Sage aus Wien:

Schab den Rüssel

Tag für Tag sitzt ein Bettler auf den Stufen der Peterskirche, hadernd mit seinem Schicksal, das ihm so übel mitgespielt hat. Die Freizügigkeit seiner Mitmenschen lässt auch immer mehr zu wünschen übrig. Zu viele seiner Sorte gibt es schon in Wien. Heute ist ein ganz besonders schlechter Tag. Kein einziger Messbesucher hat bislang eine Münze in seinen Hut fallen lassen.

Gerade will er sich aufmachen, um am Stephansdom sein Glück zu versuchen, da winkt ihm ein hinkendes Männlein in grünem Samtgewand und mit blutroter Feder auf dem Hut, ihm zu folgen. Neugierig geht ihm der Bettler nach. Unter einem Torbogen in einer Seitengasse holt er den Hinkenden ein.

"Deine Geschäfte gehen schlecht", stellt das Männlein fest. "Ich will dir etwas geben, was dich aus deinem Dilemma befreit."
Das Männlein zieht eine kleine Raspel aus seinem Gewand hervor und sagt: "Schau genau zu, wie das Wunderding funktioniert!"
Es führt die Raspel über den Mund, spricht: "Schab den Rüssel" und schon fällt ein blinkendes Goldstück zu Boden, das der Bettler hastig aufhebt. Er beißt hinein - tatsächlich! Gold!

"Willst es selbst versuchen?" fragt der Fremde und hält ihm die Raspel hin.

Der Bettler greift zu, probiert's - und schon hört er das Goldstück hell am Pflaster aufschlagen. Zwar brennen ihm die Lippen, doch der Glanz der Münze mach den Schmerz wieder wett.

"Wie lang geht das?" fragt er.

"So oft du willst", erklärt ihm das Männchen. "Aber das Ding hat noch eine andere gute Eigenschaft. Wenn dir einer nicht passt, brauchst nur zu sagen: 'Schab den Rüssel' und sofort schabt ihm die Raspel das Gesicht, das es eine Freude ist. Willst sie haben?"

"Schon", antwortet der Bettler schnell. "Aber was willst du dafür? Ich hab nix, was ich dir geben könnt."

"Oh doch! Deine Seele! In sieben Jahren komm ich wieder und hol sie mir!"

Nun ist sich der Bettler sicher, dass er es mit dem Teufel zu tun hat. "Lieber sieben Jahre in Saus und Braus leben als ein ganzes Leben als armer Hund", überlegt er. "Der Handel gilt!"

Zuerst sucht er einen Schneider auf, der ihm ganz schnell ein neues Gewand machen muss, dann nimmt er sich im besten Gasthof von Wien ein Zimmer. Nachdem er ein ausgiebiges Mahl zu sich genommen hat, zieht er sich zurück und beginnt mit der Arbeit. Goldstück um Goldstück lässt er von seinen Lippen fallen, bis ein großer Haufen vor ihm liegt. Das jedesmal ein Stückchen Haut von seinen Lippen mitgeht, hat er in seinem Eifer gar nicht bemerkt. Jetzt rinnt ihm das Blut übers Kinn und tropft auf sein neues Gewand.

Als er sich am nächsten Morgen im Spiegel erblickt, erschickt er. Ganz verkrustet und eitrig sind seine Lippen! Doch was soll's? Er hat sich viel vorgenommen für die nächsten sieben Jahre. Also setzt er sich hin und raspelt weiter.

Nach einigen Tagen ist er so reich, das er sich ein schönes Haus kaufen kann, Dienstboten anstellt und sein Leben in vollen Zügen genießt. Oft sitzt er im Kreise lustiger Zechkumpane in den feinsten Wirtshäusern, zeigt sich großzügig und lädt zu so mancher Runde ein.

Manchmal erdreistet sich einer und verspottet ihn wegen seinem Rüssel, der sich inzwischen gebildet hat und sein Gesicht stark verunziert. Da holt er die Raspel aus dem Sack, sagt das Zauberwort und schon wird der Spötter mundtot gemacht, was ihm auch von seinen Freunden den Namen "Schabdenrüssel" einbringt.

Aus dem Bettler ist ein vornehmer Herr geworden, der wie kein anderer im Überfluss lebt und der trotz seiner ewig wunden, schmerzenden Lippen mit seinem Leben zufrieden ist. Er merkt gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht und ist deshalb recht erstaunt, als eines Abends das kleine Männchen in seinem Wohnzimmer steht, wo er es sich eben mit einem guten Tropfen und feinem Speck gemütlich machen wollte.

"Sieben Jahre sind um!" grinst der Teufel. "Deine Seele gehört mir! Jetzt geht's ab in die Hölle!"

Ui, dazu hat Schabdenrüssel aber gar keine Lust! Schnell zieht er die Raspel aus dem Rock, sagt: "Schabdenrüssel!" und schon fährt sie dem Teufel so fest übers Maul, das der zum Jammern und Stöhnen anhebt, das es in den Ohren wehtut. Er hüpft vor Schmerz im Zimmer herum und versucht, sich das peinigende Ding aus dem Gesicht zu reißen. Doch das gelingt ihm nicht - hat er doch vor sieben Jahren vergessen, sich selbst aus dem Fluch aus zu nehmen!

Lachend sitzt Schabdenrüssel in seinem Lehnstuhl und genießt noch eine Weile das grausige Schauspiel, bevor er dem Teufel ein Angebot macht: "Ich befreie dich von der Raspel, wenn du auf meine Seele verzichtest und sofort in die Hölle fährst!"

"Jaja", schreit der Teufel. "Ich schwör's!"

Worauf ihm der Mann die Raspel aus seinem Gesicht nimmt und der Teufel ganz schnell in einer mächtig stinkenden Schwefelwolke in die Hölle fährt.

Schabdenrüssel lebt noch lange in Reichtum und Glück. Am meisten freut es ihn aber, das sich der Teufel in seiner eigenen Dummheit um seine Seele gebracht hat.
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Beitrag von Nüpfead am Mi 17 Jul 2019, 20:14

Die Nixe im Koralpensee

In einer Almhütte, es mag wohl die Hipflhütte gewesen sein, saß eine gar lustige Gesellschaft, Almer und Jägerleut. Ziemlich laut ging es zu, bis ein langhallendes, donnerähnliches Geräusch alle verstummen ließ.

„Hui", rief ein alter Senne, „das Wasserweib da oben hat lange Weil', hat sie wohl schon lange niemand heimgesucht! Haha! Wird sich wohl jeder hüten." - „Erzähl', erzähl'!" riefen viele Stimmen; denn die Gebirgler lieben Märchen und Sagen, und manch einer war darunter, der von dem Wasserweibe noch nichts wußte. „Wohl, wohl, Zeit lassen!" war die Antwort. Der Alte stopfte sich sein Pfeifchen, nahm einen tüchtigen Schluck Schilcher und begann: „Hab' sie ja mit eigenen Augen gesehen. Wird wohl schon vierzig Jahre her sein - damals war ich noch ein frischer Bursche -, hat mich einmal die Sennerin zur Bodenhütte geschickt. Heiß und schwül war's, da hab' ich mich für einen Augenblick ins Gras gelegt, nicht weit vom See. Ganz unvermerkt bin ich eingeschlafen. Da auf einmal fangt's zu singen an, und ich schau auf. Der See wirft starke Wellen, sonst ist alles still. Das Singen hat fortgedauert, und jetzt hab' ich mich beim Ohr gerissen, ob ich nicht träume, denn aus dem Wasser ist ein Weibsbild gestiegen, so schön hab' ich noch keines gesehen. So schön, daß ich sie euch nicht beschreiben kann." - Der Alte schwieg. Einer der Burschen, ein rechter Raufbold, brach endlich den Bann, der die stämmigen Älpler gefangen hielt: „Die möcht' ich auch sehen!" - „Ich rat' dir's nicht!" fuhr nun der Alte auf. „Wirf nur einen Stein in den See, so siehst du sie gleich, aber ich rat' dir's nicht!"

Niemand merkte während der Wechselrede, die nun folgte, daß einer die Hütte in Hast verlassen hatte. Dieser eine hatte mit brennenden Augen der Erzählung des Alten gelauscht. Es war Franz, ein schmucker Jäger. Wohl war er keck und verwegen, wenn es ein kühnes Wagestück galt, doch kein Mädchen im ganzen Gebirge konnte sich rühmen, von ihm je ein Sträußchen Edelweiß oder Kohlröslein oder auch nur eine einzige tiefblaue Enzianglocke, einen einzigen Stengel Speik erhalten zu haben. Und jetzt irrte er durch die sinkende Nacht dem See zu, manchmal vor sich hinmurmelnd: „Die Wasserfrau will ich sehen." - Da lag der See vor ihm, doch finster war die Nacht und nur wenige Sterne spiegelten sich in der schwarzen Flut. Schon hob seine Hand den Stein, da ging plötzlich ein Schauer durch seine Gestalt, aber nur einen Augenblick - der Stein fiel in weitem Bogen in den See.

Drunten in der Hütte hörte man ein fürchterliches Donnern, das nimmer enden wollte und so schaurig klang wie noch nie. Der alte Senne, der gerade eine Geschichte beendet hatte, sagte: „Heut gibt sie schier nimmer Ruh', die Wasserfrau da oben."

Am nächsten Morgen fand man den Jäger tot am Ufer des Sees. Aber seine starren Augen waren weit geöffnet nach dem See gerichtet, als sähen sie noch immer die schöne Wasserfrau.

Quelle: Georg Graber, Sagen aus Kärnten, Graz 1941.
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Harald Hartmann, Februar 2006.
© digitaler Reprint: www.SAGEN.at
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Beitrag von Nüpfead am So 04 Aug 2019, 15:27

Der Basilisk in der Schönlaterngasse

Am 26. Juni des Jahres 1212 entstand am frühen Morgen in dem Hause eines Bäckermeisters in jenem Stadtteile, der dazumal ,,unterm Tempelhof" hieß und jetzt Schönlaterngasse benannt wird, großes Schreien und Lärmen. Man hörte Wehe- und Hilferufe, und bald versammelte sich eine große Menge neugieriger Leute, die sich erkundigten, was das klägliche Geschrei bedeuten solle. Endlich erschien auch der Stadtrichter zu Pferde, der nachfragte, ob jemand Schaden oder Gewalt angetan worden wäre.
Da trat der Bäckermeister mit bleichem Antlitz aus dem Hause und erzählte dem Stadtrichter die Ursache all dieser Unruhe. Eine seiner Mägde war hinaus in den Hofraum gegangen, um aus dem Ziehbrunnen Wasser zu schöpfen. Bald jedoch kehrte sie unverrichteter Dinge zurück und meldete unter großem Geschrei, daß aus dem Brunnen ein greulicher Gestank heraufdringe, der sie beinahe ohnmächtig gemacht habe. Es funkle und glitzere auch ganz absonderlich in dem Brunnen unten und sie sei vor Schreck beinahe des Todes geworden. Einer der Bäckerknechte verlachte die Magd ob ihrer Furcht, und der rüstige Bursche erbot sich, das seltsame Wunder genauer zu besehen. Er ließ sich an ein Seil binden und mit einer angezündeten Pechfackel in den Brunnen hinab. Kaum war er aber einige Klafter hinabgekommen, erhob auch er ein entsetzliches Geschrei und wurde halbtot wieder schleunigst heraufgezogen.

Nachdem man ihn sorgfältig gelabt hatte, erzählte er mit bebender Stimme: Als er in den Brunnen hinuntergeblickt, habe er ein gar gräßliches Tier bemerkt, fast in Gestalt eines großen Hahns, aber greulich anzusehen, mit vielzackigem Schuppenschweife, plumpen, warzigen Füßen, wunderlich glühenden Augen und einem Krönlein auf dem Haupte. Es habe ihm geschienen, es sei das unholde Tier aus einem Hahn, einer Kröte und einer Schlange zusammengesetzt, und in seinem Leben habe er nichts so Abscheuerregendes gesehen. Er hätte auch sogleich die Augen geschlossen und um Hilfe geschrien, denn es sei ihm vorgekommen, als ob der glühende Blick des Ungeheuers das Blut in seinen Adern erstarren mache, und er wäre, da ihm der widerlichste Gestank die Brust beengt und den Atem verlegt habe, sonder Zweifel jämmerlich gestorben, wenn man ihn nicht schnell hinaufgezogen hätte.

Das Volk stand erstaunt bei dieser Erzählung und wußte sich keines Rates. Da trat ein gelehrter und in der Naturwissenschaft wohl erfahrener Arzt hervor und erklärte nun den Leuten, das greuliche Tier werde Basilisk genannt, entstünde wunderbarerweise aus einem Ei, das ein Hahn gelegt und eine Kröte ausgebrütet habe; daß der berühmte Naturforscher Plinius ein solches Tier beschrieben und gesagt habe, dessen Blick sei so giftig, daß jeder, den er damit erfasse, davon sterben müsse und daß er nur getötet werden könne, wenn man ihm einen blanken Metallspiegel vorhalte. Wenn er dann darin sein eigenes Bild erblicke, entsetze er sich derart über die eigene Scheußlichkeit, daß er vor Wut und Ingrimm zerberste. Übrigens sei ein solches Unternehmen immer mit großer Gefahr verbunden und wolle er damit keine Probe anstellen.

Da war nun guter Rat teuer. Niemand fand sich, der das Abenteuer gewagt hätte. Endlich gab der Stadtrichter den Befehl, große Steine und Erde herbeizuschaffen. Diese wurden in den Brunnen geworfen und somit das Untier zerdrückt und vernichtet. Der Bäckerjunge starb aber noch am selben Tage.
Zum ewigen Gedächtnis wurde nun das getreue Abbild des scheußlichen Ungeheuers in einer Nische des Hauses aufgestellt und mit einer Inschrift versehen.

Quelle: Die Sagen und Legenden der Stadt Wien, herausgegeben von Gustav Gugitz, Wien 1952, Nr. 12, S. 24f
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Beitrag von Nüpfead am So 04 Aug 2019, 15:31

Der vom Teufel geholte Bäckerjunge

Im Jahre 1570, am Festtag des Fronleichnams Christi Unseres Heilands, an welchem die ganze Menge der Christen aus frommer Gewohnheit der Katholischen Kirche das Hochheilige Altarsakrament zur Beschämung aller Ketzer, die Christum den wahren Gott unter der Gestalt des Brotes im Sakrament gegenwärtig zu sein gänzlich leugnen, jährlich mit Andacht und hochfeierlich nach althergebrachtem Kirchengebrauch durch die Stadt zu begleiten pfleget, so ward unter anderen wienerischen Stadtzünften, denen damals vom Bürgermeister Mann für Mann ernstlich auferlegt worden, daß alle und jede mit ihren Zunftgenossen nach Gebür mit gezierten Fahnen unwidersetzlich beiwohnen sollten, eines wienerischen Bürgers und Bäckers, mit Namen Caspar Kröns Junge von zweiundzwanzig Jahren, ein von Natur gefräßiger und versoffener, ein gottloser und zu allen Lastern sehr geneigter Mensch gefunden, welcher, als er zugleich mit andern seinen Mitgesellen treulich gewarnet wurde, vom Saufen aufzuhören, sich bescheiden aufzuführen, auch sogleich sich aus dem Hause fortzupacken und sich zu seiner Zunftfahne zu verfügen, nichts weniger als solcher Ermahnung Gehör geben wollte, bis er endlich sowohl durch den Glockenklang, womit das Zeichen der von St. Stephan ausgehenden Geistlichkeit gegeben war, angetrieben, als auch aus Furcht der denen Ungehorsamen von dem Bürgermeister angedrohten schweren und unausbleiblichen Strafe erschreckt, ganz zornig von dannen ging. Was geschieht? Kaum kam er auf die öffentliche Gasse, so entstand wider Verhoffen ein Sturmwind. Der böse Mann ward augenblicklich von dem bösen Geist ergriffen, in die Höhe und in der Luft hin und nieder geführt, endlich aber nach vollendeter Prozession zwischen 11 und 12 Uhr, da man allenthalben die Mittagsmahlzeit einnahm, unter solchen Schrecken, als wenn ein Erdbeben sich ereignete, auf einen Nußbaum niedergelassen, von welchem er wie ein Klotz auf die Erde fiel, dergestaltet, daß der Spitalmeister mit den Seinigen den Tisch plötzlich verließ, davonfloh und ein jeder einen sicheren Ort suchen wollte. Siehe! Als sie in das nächste, am Speisezimmer gelegene Gärtlein sich hinausbegaben, um zu sehen, auf welcher Seite die Spitalmauer eingefallen, erblickten sie von ungefähr den Bäcker vom Nußbaum fallend, den sie mit funkelnden Augen und mit häßlichem Angesicht, außer Sinnen und fast entseelt antrafen. Durch verschiedene Arzneien wurde er erquickt und nach drei Tagen, da er wieder zu sich kam, befragt, worauf er die Antwort erteilte, daß er ein Bäcker sei und bisher in des Caspar Kröns, bürgerlichen Bäckermeisters, seines Herrn, Dienst gestanden, auf was für eine Weise er aber von der Erde hinweg und vom Teufel so lang und so viel in der Luft herumgeführt worden, auch wie er vom Baum heruntergekommen, sei ihm gänzlich unbekannt. Er gestand freimütig, daß er ein Ketzer gewesen, sich im Gasthaus gottlos verhalten und entsetzliche Lästerungen wider das Hochwürdige Sakrament ausgestoßen habe. Dieweil er aber seine Laster mit der Sünderin Maria Magdalena beweinte, besserte er sich nach und nach und nach empfangenem Abendmahl hat er feinem Herrn, dem er vorhin gedient, wiederum zu dienen angefangen. Dies geschah in dem Jahr und an dem Tage, davon oben gemeldet worden.

Quelle: Die Sagen und Legenden der Stadt Wien, herausgegeben von Gustav Gugitz, Wien 1952, Nr. 19, S. 31ff
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